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Johann Wagnermeyer. Foto: Karoline Maria Keybe

Johann Wagnermeyer über Malerei, Leipzig und 500 MaleLE!-Bilder - 17.11.11

Große, farbenstarke, emotionsgeladene Bilder schmücken Johann Wagnermeyers heimischen Wände: Über 30 Stück hängen in seinem Haus. Jedes erzählt eine andere Geschichte, erinnert an unterschiedliche Situationen, längst vergessene Gefühle, schätzbare Menschen, aber vor allem gedenken sie an Vergängliches. Sie tragen Namen wie Sturm im Garten, Exotik, Möglichkeiten oder Verbindungen. Wenn auch heute in seinem aktuellen Oeuvre kaum noch vertreten, zählte der menschliche Körper viele Jahre zu Wagnermeyers Lieblingsmotiven. Unter dem ausziehbaren Gästebett in der ersten Etage schlummern noch die letzten A3-großen Skizzen nackter, meist schwangerer Frauen. „Schwangere Frauen faszinieren mich“, gestand Wagnermeyer. Die Malerei des Gegenständlichen hat die Kunst des Aktzeichnens jedoch nach und nach ersetzt.

Johann Wagnermeyer ist Unternehmer und Geschäftsführer, Aufsichtsratsvorsitzender der Leipziger Denkmal AG, aber nicht nur das: Er ist auch Maler und Künstler. Diese Profession trat in Sachsen bislang in den Hintergrund. Zu lange war sich der 51-Jährige unsicher, ob diese sensible und persönliche Seite der Allgemeinheit offenbart und seinen Kritikern somit ein Angriffspunkt gegeben werden solle.

Während andere deutsche und österreichische Städte sein Talent bereits mehrfach mit Ausstellungen krönten und in der örtlichen Presse lobten, hielt Wagnermeyer diese Begabung in Leipzig bis Anfang September zurück. Dann erst stellte der gebürtige Österreicher erstmals in der historischen Kundenhalle der Deutschen Bank aus: Auf ausgewählten Bildern drückte er seine Gefühle, Gedanken und Erlebnisse der letzten zehn Jahre aus. „Zeit für…“ hieß die Ausstellung. Wertvolle Worte, nicht nur für Wagnermeyer, sondern für jedermann. Die Zeit, in Minuten, Stunden, Tagen, sind ein kostbares Gut im Leben. Zwar beginnt sein Alltag gewöhnlich in den frühen Morgenstunden und zieht sich bis spät in die Nacht, dennoch nimmt sich der Familienvater Zeit. Zeit für seine Frau und seine Tochter, Zeit für seinen Sohn, Zeit für seine Leidenschaft das Malen, Zeit für sich, Zeit fürs Klavier spielen, Zeit für seinen Garten und für das fast unhörbare Rauschen der Weißen Elster.

„Mit Worten kann der Mensch lügen, ein Bild sagt immer die Wahrheit“, ist der zweifache Vater überzeugt. Gemäß dieser Lebensweisheit machte er sich für MaleLE stark und stiftete ein Kunstwerk. Inspiriert von der Explosion der Bohrinsel im Golf von Mexiko im Jahr  2010, nannte er sein mit Acrylfarben gezeichnetes Bild „Ölpest“.

Manche aktuellen Geschehnisse sind zu gewaltig und zu traurig, um sie in Worte zu fassen, um sie zu verarbeiten und ansatzweise zu verstehen. Gerät Wagnermeyer in solch einen Strudel der Gefühle, greift er zum Pinsel. In den letzten 20 Jahren gab es zahlreiche Momente, die ihn bewegten, ob nun persönlich, gesellschaftlich, politisch. Über 100 Bilder sind dabei entstanden. Gemalt habe er vor allem „nachts, wenn ich nicht schlafen kann“, verriet er und lächelte dabei.

Im Leben brauche man kräftige Farben, die Optimismus und Emotionen ausstrahlen. Pessimismus, Wehleidigkeit und Selbstmitleid gehören nicht zu Wagnermeyer Repertoire – das Leben sei viel zu kurz dafür.

Der gelernter Hotelfachmann ist sich sicher, dass „MaleLE ein enormer Imagegewinn für Leipzig“ sein wird. Schon als Wagnermeyer im Herbst 1990 in den Osten ging, bemerkte er sehr rasch, dass Leipzig eine hohe Lebensqualität bietet. „Es ist groß genug, um sich zurückzuziehen. Aber klein genug, um es zu überschauen“, begründete er seinen Umzug in den schönen Osten. Und bei solch einer besonderen Stadt ist es mit einer besonderen Aktion wie MaleLE! nicht weit.

„Ich freue mich, wenn meine Bilder die Menschen glücklich machen!“ Aber nicht nur das: Wagnermeyer weiß auch, dass erst mit dem Verkauf der Kunstwerke den Kinderhilfsprojekten wirklich geholfen werden kann. Mit vorbildlichem Schritt geht er dabei voran und gehört zu den Käufern der ersten Stunde. Beim großen MaleLE!-Familienfest im September schlug Wagnermeyer gleich 500 mal zu. Mit seiner Spende von 12.000 Euro wird er auf jeden Fall so einige Kinder wieder glücklich machen.  Karoline Maria Keybe